Denkmals - Urkunde ( Abschrift )


Nachdem in mehreren Nachbargemeinden ein Denkmal gesetzt worden ist für die Gefallenen im Weltkriege, wurde auch in unserer Gemeinde beschlossen, die Gefallenen aus Dehmke und Deh­renberg durch ein gemeinsames Denkmal zu ehren.

In uneigennütziger Weise, die die höchste Anerkennung verdient, stellte der Halbmeier Heinrich Schwöbbermeyer als Denkmalsplatz die sogenannte "Danze Kuhle" unentgeltlich zur Verfügung. Um die Kosten für das Denkmal zu decken, stellte die Gemeinde Dehmke die Jagdpacht von 2 Jahren zur Verfügung, ebenso die Gemeinde Dehrenberg. Die Forstgenossenschaft Dehm­ke stiftete 3000 Mark. Eine freiwillige Sammlung ergab in Dehmke rund 9000 Mark und in Dehrenberg 1600 Mark.

Herr H. Röhrich, Besitzer der Dolomit Werke in Eschershausen, übernahm die Ausführung des Denkmals in Dolomit vom Hils für die runde Summe von 2o.ooo M. Das Fundament ist 2 Meter tief

Und von Friedrich Schaper hergestellt. Die Steine dazu stammen aus dem Dehrenberger Gemeindebruche, sie wurden von Leuten aus Dehrenberg und Dehmke unentgeltlich gebrochen, wie auch die sonstigen Arbeiten unentgeltlich geleistet wurden. Ebenso die Anfuhren; es beteiligten sich daran aus Dehrenberg: Georg Wellhausen, Fr. Albrecht, Aug. Strüve, Wilh. Nar­ben, Herrn. Meyer und H. Lücke aus Dehmke. Das Denkmal wurde am 11. April 1922 vom Bahnhofe Groß Berkel geholt von den Landwirten H. Schwöbbermeyer, H. Lücke, Wilh. Pieper, H. Fricke, H. Niehus, K. Bartling, Fr. Köster und H. Schütte, sämtlich aus Dehmke.

In schicksalschwerer Zeit haben wir dies Denkmal errichtet, um zu zeigen, daß Glauben, Treue und Dankbarkeit noch nicht ausgestorben sind. Der Krieg ist zwar verloren, aber das Heer unbesiegt! Darum Ehre und unvergeßliche Treue den Tapfe­ren! Die weit überwiegende Mehrzahl unserer Toten des Welt­krieges ruhen in fremder Erde, fern von der Heimat; und von dieser Mehrzahl wiederum ein erschütternd großer Teil an ver­gessener, an unbekannter Stelle. Niemand pflegt ihr Grab, längst sind die schmalen Erdhügel eingesunken, längst geht der Pflug über sie hin oder wölbt sich der rauschende Wald über die stillen, verschollenen Grabstätten. Von ihnen allein klingen die schönen Dichterworte in unser schmerzerfülltes Gemüt:

"Es gibt ein Grab im fernen Land Wohl ohne Kreuz und Stein. Und doch - sie senkten in den Sand für dich dort, deutsches Vaterland, mein ganzes Glück hinein."

Ja,das Glück ist verschwunden! Schwer lastet auf dem deut­schen Vaterlande der Schmachfrieden von Versailles. Elsaß-Lothringen, der nördliche Teil von Schleswig-Holstein, Posen, Oberschlesien von Deutschland gerissen. Ost- und Westpreußen durch den polnischen Korridor von Deutschland getrennt, Saar-gebiet und Rheinlande von den Entente-Truppen besetzt. Ungeheure Steuerlasten drücken den Einzelnen. Dazu herrschen unerhörte Teuerungspreise für Lebensmittel. Ein Brot von 4 Pfund = 12,50 M.; 1 Pfund Rindfleisch = 3o M.; Schweine­fleisch = 36 M.; Butter = 73 M.; 1 Liter Milch = 7 M., 1 Ztr. Roggen = 640 M. ; Weizen 9oo M. ; 1 Ferkel = 5oo M. , 1 Anzug von 2.000 M. an. 1 Paar Stiefel = 600 M., 1 Ztr. Kartoffeln = 2oo M., 1 Ei = 3,2o M. Arbeitslohn für einen ungelernten Arbeiter = die Stunde 15 M.

Da sollte man schier verzweifeln! Aber im Volke ist kaum et­was davon zu spüren! Die Sucht nach Vergnügen kann nicht mehr übertroffen werden. Die Tanzsäle können die Teilnehmer nicht fassen, die sich berauschen an unanständigen Tänzen bei süßlicher Musik in schwülem Zigarettenduft.

Die Wucherer und Schieber führen ein Leben in Verschwendung und Üppigkeit. Diebstähle, Raub und Mord sind an der Tagesordnung. Die persönliche Sicherheit steht überall in Gefahr. Unter den politischen Parteien herrscht die größte Uneinig­keit. "Die Partei über das Vaterland!" Das ist die Parole des Tages. Die Regierung ist matt; hat sie einmal den guten Willen, so fehlt ihr nachher die Kraft zur Durchführung.

O armes Deutschland! wann ersteht der Mann, der dir als Retter erscheint und dich mit starker Hand aus diesem Elend führt? Hoffentlich warten wir nicht allzu lange. Augenblicklich tagen in Genua die leitenden Staatsmänner der Länder Europas, um einen Weg zu finden, der zur Gesundung Europas führen soll. Möge der Allmächtige es gelingen lassen und unser armes Volk wieder aufwärts führen!

Die Einweihung des Denkmals wird an einem Sonntage nach Ostern stattfinden. Die Weiherede wird Herr Superintendent Pätz, Groß Berkel halten, während der Gesangverein und die Schulkinder durch Lieder und Deklamationen die, Feier verschönern helfen.

Am "Grünen Donnerstage" den 13. April ist diese Urkunde kurz vor Fertigstellung des Denkmals mit eingemauert worden.

Dehmke, den 13. April 1922,

gez. der Gemeindevorstand Wilh. Sonnemann

L.S. Dehmke gez. Friedr. Redeker Gemeindevorsteher

L.S. Dehrenberg gez. August Schäfer Lehrer in Dehmke