Aus der Schul - Chronik

Die Kinder von Dehrenberg besuchten die Schule in Dehmke, die von beiden Gemeinden unterhalten wurde. Der Türbalken der alten Schule trug die Jahreszahl 1650. Nach Entwürfen des Lehrers Warnecke wurde 1832 ein neues Schulhaus gebaut.

Die ältesten Lehrer sind nicht namentlich bekannt, die Kirchenbücher sprechen nur vom "Schulmeister von Oberndeimke". Als erster bekannter Lehrer begegnet uns Moritz Bach, der am 5.11.1691 in Groß Berkel begraben wurde. Noch am 3.2.1691 hatte er einen Sohn Johann Jobst taufen lassen; demnach dürfte er in jüngeren Jahren gestorben sein.

Werner Drawe wurde am 3o.1o.172o beerdigt, "ein Mann von 72 Jahren". Wegen großer Dürftigkeit wurde er 1695 vom Abt zu Loccum mit 4 Talern und von der Kirchenkasse Groß Berkel auf drei Jahre mit einem Malter Korn jährlich unterstützt.

W.C. Schowart, Sohn eines Pastors, kam 1721 nach Dehmke. Er war anfangs advocatus juris (Rechtsanwalt), war dann als Soldat zum höchsten Unteroffiersrang aufgestiegen, hatte aber, weil er zur Heirat mit seiner Braut keine Genehmigung erhalten hatte, die Unterschrift seines Obristen so natürlich nachgekünstelt, daß der Pastor sie darauf getraut hatte. Deshalb wurde er ohne Pension entlassen. Bevor er nach Dehmke kam, war er Lehrer in Ohr. 1751 mußte er, fast er­blindet, im 76. Lebensjahr den Dienst aufgeben. Auch er war arm — wie alle Schulmeister seiner Zeit — und mußte sein Brot, solange er gehen konnte, vor fremder Leute Türen su­chen. Er starb am 21.lo.1753 an der Auszehrung und wurde in der Stille begraben. Pastor Baumgarten schoß die Kosten der Beerdigung vor und hoffte auf Erstattung aus der Kirchenkasse.

Johann Friedrich Bursie, aus Oldendorf im Preußischen gebürtig, kam 1751.Er war als tüchtiger Lehrer geachtet, hatte aber auch mit einigen Einwohnern bösen Streit. Er litt an einem Fistelschaden, der ihm das Reden sehr erschwerte. 1784 unterrichtete er 33 Knaben und 34  Mädchen, 1788 23 Knaben und 24  Mädchen. Von den 47 Schülern erlernten aber nur 7 das Schreiben. Die Eltern legten damals nur wenig Wert darauf, daß ihre Kinder diese Fertigkeit erlernten. So waren 13 Kinder auffällig oft nicht in der Schule, ein Kind (Schütte) fehlte volle drei Monate.- Als Bursie  am 7.5.1791 seine Schularbeit beginnen wollte , ereilte ihn ein "Haupt­schlag" . Nach eineinhalb Stunden starb er morgens um 7 Uhr. Er ist 65 Jahre alt geworden.

Wilhelm Friedrich Schomburg folgte ihm am 2o.9.1791- Er war mit Friederike Hobein verheiratet, der Tochter des Steinhauermeisters H.W. Hobein in Obernkirchen. In zweiter Ehe heiratete er 1800 Sophie Elisabeth Riemann, eine Försterstochter aus Ohsen. In seiner Amtszeit wurde 1794 der neue aus acht Teilen bestehende Katechismus eingeführt. Schomburg wurde l8o2 nach Wettbergen versetzt.

Johann Heinrich Döbbecke, früher Lehrer in Altenhorst, Kirch­spiel Langenhagen, dann neun Jahre in Diepenau, Kirchspiel Lavelsloh (Insp. Stolzenau), kam l8o2. Er hatte gute Religi­onskenntnisse, war dagegen im Kopfrechnen und in gemeinnützlichen Kenntnissen minder bewandert. Er wird als sehr geschickt und rechtschaffen geschildert, mit großer Klugheit und Treue zur Schule. Er starb am 13.5.1807, 38 Jahre alt, an der Brustkrankheit und hinterließ eine kränkliche Witwe mit sechs Kindern. Zu seiner Zeit - 1806 - gab es 64 Schüler, 32 Knaben und 32 Mädchen, von denen 2o Knaben und 16 Mädchen schreiben lernten.

Johann Heinrich Degener, geboren in Bevensen, Inspektion Neustadt a.Rbge., vorher acht Jahre Lehrer in Everloh, Kirchspiel Ronnenberg, dann sieben Jahre zu Ihme bei Ronnenberg, wurde am 22.9.l8o7 zum Lehrer in Dehmke ernannt. Er wird geschildert als ein finsterer Mann von cholerischem

Temperament, der sich zu Härte, Heftigkeit und "tadelnswerten Handlungen" hinreißen ließ. Er soll zugleich Zichorien­fabrikant, Gerber und Weber gewesen sein. In der westfälischen Zeit - ab l8o7 - war er Ortserheber. Angeblich war er dem Trunke ergeben und unternahm einen mißglückten Selbstmordversuch. 1815 wurde er versetzt.- 1812 gab es 60 Schulkinder, davon 12 arme. Von den 32 Knaben und 28 Mädchen konnten nur 6 schreiben. Von den 56 Schülern des Jahres 1813 schrieben 14  Knaben und 8 Mädchen, am Rechnen nahmen 25 Knaben und 8 Mädchen teil.

Schulmeister Wreil aus Lachem wurde 1815 als Interimslehrer beauftragt.

August Heinrich Wilhelm Fleischer, Sohn des Lehrers in Hope, wurde am 12.8.1815 ernannt. Er war eineinhalb Jahre Lehrer in Grießem gewesen, hatte dann als Schreiber beim Maire, später Landrat Münchhausen gearbeitet. Er soll ein sehr tüchtiger Lehrer gewesen sein. Am 13.1.1819 mußte er mit den Schulkindern den Todeskandidaten Meese mit Gesang von Selxen zur Hinrichtung auf dem Totenberg bei Groß Berkel begleiten. Es war die letzte Hinrichtung, die dort vollzogen wurde. Fleischer ist viel durch Einwohner denunziert worden, weil er Unregelmäßigkeiten beim Zehntziehen für die Domäne fest­gestellt und gemeldet hatte. 1822 wurde er nach Lachem versetzt, wo er am 4.2.1849 gestorben ist.- Für 1818 werden 64 Schulkinder angegeben, 25 Knaben und 39 Mädchen, von denen 16 Knaben und 16 Mädchen schreiben lernten. Immer noch ließ der Schulbesuch zu wünschen übrig. Als Hindernisse galten das Wetter, die Wege, das Wasser in einer Vertiefung hinter dem Berge, schließlich das Viehhüten. Viele Eltern waren damals nicht zu bewegen, ihren Töchtern Schreibpapier zu kaufen, auch die Jungen hatten oft nicht genug Papier. In dem kleinen Schulraum stand nur ein Großer Tisch zum Schreiben zur Verfügung.

Christian David Röpke wurde am 19.2.1822 ernannt. Er war vorher Lehrer zu Metel, Parochie Basse bei Neustadt am Rbge. Er war ein guter Lehrer, dessen Kenntnisse und Geschicklichkeiten über das Gewöhnliche hinausgingen. Er hatte günstig Land gepachtet, besaß drei Kühe, eine Schweinezucht und fand so ein gutes Auskommen. 1830 erhielt er die Stelle des Lehrers und Küsters in Ober-Börry. Dort ist er anderthalb Jahre später an einem Brustleiden gestorben.

Christian Friedrich Warnecke, geboren in Börry am 3o.6.l8o5, war zunächst als Junglehrer 1826 in Börry angestellt. Am 19. 10.1830 wurde er zum Lehrer in Dehmke ernannt. Er heiratete am 1.1.1837 Justine Brand aus Dehmke (Hof Brand-Pook-Deppmeyer). Auch zu seiner Zeit war das Interesse der Eltern an der Ausbildung ihrer Kinder gering. Der Hauptgrund, die Schule zu versäumen, war im Sommer das Viehhüten. Bei seinem Amtsantritt betrug die Zahl der Schulkinder nahezu loo, sie stieg bald darüber hinaus und erreichte l84o mit 111 den höchsten Stand: 56 Knaben und 55 Mädchen. Selbst nach dem 2. Weltkrieg, als die Flüchtlinge aufgenommen wurden, gab es höchstens

95 Schulkinder. Durch Beschäftigungen aller Art hat Warnecke die Mittel erworben, um seinen eigenen Kindern eine gute Ausbildung zukommen lassen zu können.

Sein Sohn Ernst Friedrich August Warnecke, * Dehmke 21.4.1837 wurde Geheimer Rechnungsrat im preußischen Ministerium der öffent­lichen Arbeiten in Berlin. Ihm wurde der Rote Adler-Orden verliehen, ebenso das Ritterkreuz des Großhzgl. Hessischen Ordens Philipps des Großmütigen. Er war Gründer und Vorstandsmitglied des noch heute bestehenden heraldisch-genealogischen Vereins "Der Herold" in Berlin. Er war ein bekannter heraldischer Schriftsteller und gab heraldische Kunstblätter heraus.

Sein Bruder Heinrich Friedrich Wilhelm, * 3.12.1838, war Lehrer in Kloster Wennigsen, sein Bruder Ludwig Wilhelm Carl, * 24.10.1841, war Regierungssekretär in Hannover, und Heinrich Carl Ernst, * 24.3.1844, wurde Tischler in Dehmke. Seine Nachkommen leben noch heute dort. - Schon der Vater hatte als Heraldiker Wappen entworfen, erwähnenswert ist auch seine Freundschaft mit Wilhelm Busch. Der Gemeinde war er ein guter Ratgeber. Oft geplagt von Erankheiten, war er bis 1870 tätig. Auch danach blieb er im Schulhaus wohnen, wo er am 31.12.1877 starb.

Der Seminarist Mariot aus Aerzen war vom 24.2. bis Michaelis 1870 Interimslehrer in Dehmke. Dann erhielt er die 2. Lehrer stelle in Hemeringen.

Nach einer Vakanz von einem Vierteljahr wurde der Seminarist Siekmann aus Hayerbeck am 22.1.1871 als Lehrer-Adjunkt

Hilfslehrer) eingeführt. Er gründete einen Männergesangverein, der aber bald wieder verfiel. Er verlobte sich mit Marie Lücke aus Dehrenberg, die er nach seiner Versetzung nach Hagenohsen um Michaelis 1872 heiratete.- Während der folgen­den längeren Vakanz wurde der Unterricht von Lehrern aus der Umgebung erteilt.

Der frühere Interimslehrer Mariot , inzwischen mit Luise Harland aus Hemeringen verheiratet, trat 1873 die Stelle an. Am 1.5-1877 ließ er sich nach Herkensen, Inspektion Münder, versetzen.

Heinrich Wilhelm Ludwig Brase, geboren am 2o.2.1857 zu Wendenborstel, Inspekt. Nienburg, war seit dem 21.11.1875

2.Lehrer in Hope. Am 5.5.1877 wurde er zum Lehrer-Adjunkt in Dehmke ernannt, am 1.4.1878 erhielt er die Stelle. Er heiratete Luise Leppel, Tochter des Halbmeiers Leppel in Dehmke. Er war ein treuer, fleißiger Lehrer, seinem Beruf mit Leib und  Seele ergeben. Früh erkrankte er an einem unheilbaren Halsübel (vermutlich Krebs), bei vielen Ärzten suchte er Hilfe. 19o7 wollte er in den Ruhestand gehen, und so wurde der Schulamtsbewerber W. Müller vom Mai bis Oktober als Ver­treter eingestellt. Am 2o.6.19o7 wollte Brase einen Arzt besuchen, aber unweit der Schule erlitt er einen Blutsturz. Kurz danach ist er im Schulhaus gestorben.

Carl August Ludwig Schäfer, geboren am 16.11.1873 zu Münder am Deister, war seit dem 22.4.1894 2. Lehrer in Hope, seit dem 25.3.1899 2. Lehrer in Kirchohsen. Er war mit Frieda Striepling aus Hemeringen verheiratet. Am 1.10.1907 übernahm er die Stelle in Dehmke. Er war ein tüchtiger und fleißiger Lehrer, der den Schuldienst ernst nahm, aber auch regen Anteil am Leben beider Gemeinden hatte. In seine Amtszeit fiel der 1. Weltkrieg. Von ihm liegen genaue Aufzeichnungen über die Kriegsteilnehmer und Gefallenen vor. Als das Kriegerdenkmal für Dehrenberg und Dehmke errichtet wurde, schrieb er die dort eingemauerte Urkunde (siehe unten). 1927 wurde der Unterricht durch die Einführung der Fortbildungsschule erweitert : einmal in der Woche am Nachmittag fand der Unterricht statt. Lehrer Schäfer übte viele Nebenämter aus. Er leitete den Gesangverein, las und besprach gute Lektüre an Abenden für Jugendliche. Am Sonntagnachmittag war Sonntagsschule, außerdem hielt er Betstunden ab. Oft hat er in der Kirche in Groß Berkel Lesegottesdienste gehalten, weil der Superintendent Pätz durch Krankheit verhindert war. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Gestaltung der Hagelfeier am 1. Juni. 1932 wurde Schäfer krankheitshalber in den Ruhestand versetzt und verzog zu seiner Tochter nach Lüchow, wo er am 25.8.195o verstarb.

Otto Kroh, geboren am 3o.3.l894 zu Hameln, übernahm die Stelle am 1.4.1932. Er hatte von 1914 bis 1919 am 1. Welt­krieg teilgenommen, zuletzt in Kriegsgefangenschaft. Er hei­ratete am 5.1o.l92o Dora Beskow aus Uslar. Vorher war er von 1919 bis 193o Lehrer in Vahlbruch, von 193o bis 1932 in Afferde. Hitler-Zeit und 2. Weltkrieg brachten in seiner Amtszeit schwere Probleme. Die Aufzeichnungen der Schulchronik von 1933 bis 1945 mußten nach dem Kriege vernichtet werden. Bei Kriegsende wurde die Schule sofort geschlossen, der Un­terricht am 1.9.1945 wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit arbeitete Kroh in der Landwirtschaft bei dem Landwirt Lücke in Dehmke. Seine zahlreichen Ehrenämter führte er auch in dieser Zeit weiter. Als die Schule wieder eröffnet wurde, fehlte es an allem möglichen. Auch die Ernährung der Schulkinder war oft unzureichend. Erschwert wurde alles durch die hohe Zahl von 95 Schülern, von denen zwei Drittel Heimatvertriebene waren.Auf Vorschlag des Lehrers beantragte der Gemeinderat ein zweite Lehrerstelle, und am 1.5.1949 kam vor der Pädagogischen Hochschule Hannover als 2. Lehrer Herbert Vikowski, geboren am 27.11.1923 in Ehmen, Kr. Gifhorn. Er war ledig. Von 1941 bis 1945 hatte er am Kriege teilgenommen und war schwer verwundet worden. Als die Schülerzahl 1954 auf 39 zurückging, wurde er nach Hess. Oldendorf versetzt. Erst 1955 wurde in die Lehrerwohnung der Schule eine Wasserleitung verlegt. Herr Kroh trat am 1.4.1959 in den Ruhestand, unterrichtete aber noch ein weiteres Jahr als Angestellter.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn Ernst Kroh, geboren am 2.12. 1921 in Vahlbruch. Vorher - vom 16.8.1947 bis zum 31.3.1960 war er Lehrer in Rethen an der Leine.  Schon im Mai 1961 wurden die Kinder des 7. und 8. Schuljahrs nach Groß Berkel umgeschult. Dort wurde um Ostern 1963 die moderne Mittel­punktschule fertiggestellt. Seitdem mußten die Kinder des 7 bis 9. Schuljahrs diese Schule besuchen. Im Herbst 1964 machte der Student Günther Fleischer von der PH Braunschweig in Dehmke sein Landschulpraktikum.

Im Jahre 1969 wurde die Schule in Dehmke nach 319 Jahren ihres Bestehens (1650—1969) für immer geschlossen. Seit dem 12.8.1969 fahren alle Schulkinder aus Dehrenberg und Dehmke mit dem Linienbus der KVG nach Groß Berkel zur Schule. Der Lehrer Ernst Kroh unterrichtete in Reher, er kaufte das Schulhaus in Dehmke als Wohnhaus.